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Marius Danielsen - Legend of Valley Doom Part 3 (Cover Artwork)
Fr, 7. Mai 2021

Marius Danielsen – Legend of Valley Doom Part 3

Heavy Metal, Power Metal
11.05.2021
Marius Danielsen - Legend of Valley Doom Part 3 (Cover Artwork)

Marius Danielsen

Zuerst die Frage: Ihr mögt euren Metal roh, böse, düster, pechschwarz? Ihr verabscheut bunte Cover, Fantasy Lyrics und Keyboard-lastigen Powermetal? Gut – dann müsst ihr hier nicht mehr weiterlesen, habt einen schönen Tag!

Nächste Frage: Wer hat schon mal etwas von Marius Danielsen gehört?

Aha, kaum jemand. Ok, ich auch nicht. Was eigentlich eine ziemliche Schande ist, wenn ich mir das so überlege. Also zuerst mal noch etwas Recherche betreiben. Es gibt (wie erstaunlich!) bereits die Alben „Legend Of Valley Doom“ (2015) und „Legend Of Valley Doom Part 2“ (2018). Bereits 2010 begann der Norweger zusammen mit seinem Bruder Peter die Arbeit an diesem Projekt, welches mit dem nun vorliegenden Teil 3 den Abschluss findet.

Auf den ersten beiden Scheiben findet man eine stolze Palette an namhaften Gastmusikern. Tim „Ripper“ Owens, Michael Kiske, Ralf Scheepers, Blaze Bayley, Arjen Lucassen, Bruce Kulick, Vinne Appice – das sind nur einige, die dem Projekt ihre Stimme resp. ihre instrumentalen Fähigkeiten zur Verfügung gestellt haben – und dies auch hier teilweise tun. Selbst ein sehr bekannter Schauspieler hat mitgearbeitet, doch dazu später mehr. Es muss also schon ein gehöriges Mindestmass an Qualität vorhanden sein, damit man diese Leute kriegt…

Somit logisch, dass auch auf dem dritten Silberling einige Gäste an Bord sind. So sind unter anderen wiederum Scheepers und Owens mit dabei, doch auch Sabaton-Gitarrist und Majestica-Fronter Tommy Johansson gibt sich neben vielen weiteren die Ehre. Vorhang auf für den letzten Teil der „Legend Of Valley Doom“! Mehr von Marius Danielsen erfährt ihr auch im Interview.

Die Legende

Wenn man sich mit der Legende des Doom-Tals („Valley Doom“ tönt irgendwie schon geiler….) beschäftigt, kommt man nicht umhin, sich auch die Geschichte zu Gemüte zu führen. Es wimmelt von Elfen, Engeln, Königen, Zwergen, sogar ein Goblin-King ist mit dabei. Es geht um sieben Artefakte, um Kriege, um das Ende der Welt, welches verhindert werden muss. Zweifellos stecken insgesamt sehr viele Einflüsse der „Lord Of The Rings“-Trilogie in diesen Werken, wie bei vielen Namen der Protagonisten unschwer bemerkt werden kann. Ob „geklaut“ oder nicht: Unterhaltsam ist es allemal – zumindest für Fantasy-Enthusiasten.

Geschichte und Musik bilden auf diesem Album somit eine unzertrennliche Einheit, wie man es in diesem Ausmass sonst wirklich eher selten sieht und hört. Der Begriff „Konzeptalbum“ ist fast noch untertrieben. Dennoch soll es nun in erster Linie um den Sound gehen, die Story darf dann jeder selbst im Booklet mitlesen… Und jetzt stürzen wir uns endlich rein in die 12 Tracks und in die Suche nach den verschwundenen Artefakten!

Sieben Artefakte

Mit einem (ersten) gesprochenen Part startet der Opener „Seven Ancient Artefacts“, nach kurzem, epischem Intro geht es mit Volldampf nach vorne. Ein Mix aus Avantasia, Gloryhammer und Stratovarius und es ist Marius Danielsen vorbehalten, die ersten Parts zu singen. Denn hier kommt gleich zu Beginn ein ganzer Stapel an Gastmusikern ein erstes Mal zum Zug respektive zum Mikrofon. Der Italiener Alessio Garavello (ex-Power Quest), Jonas Heidgert (Dragonland), Elisa Martin und Arnaud Ménard sind es im Detail, die eine herrliche Hymne abliefern.

Auf geht’s in den Norden! Hier meint man fast die Air-Raid Siren Bruce Dickinson zu erkennen, allerdings ist es „nur“ eine Kostprobe von Raphael Mendes. Checkt mal bei Gelegenheit dessen YouTube Videos mit Coverversionen von Iron Maiden… „Journey To The North“ ist ein weiterer herrlicher Stampfer, der neben Mendes vor allem von Heidgert dominiert wird. Eingängig ist nur der Vorname!

„The Ballad Of Arnoth The Wild“ beginnt in der Tat balladesk, hier sind vor allem zu Beginn Einflüsse von Avantasia nicht zu überhören. Falconer Fronter Mathias Blad tritt hier zuerst als Geschichtenerzähler auf, dann liefert er sich ein Duett mit Alessandro Conti, seines Zeichens Sänger bei den Kollegen von Twilight Force. Musikalisch bleibt sich diese Nummer insgesamt dem Titel treu, tragende und sanfte Melodien und immer wieder werde ich hier an „Farewell“ von Avantasia erinnert.

Die Minen von Eloroth

Mit „Mines Of Eloroth“ wird nun wieder massiv an der Geschwindigkeitsschraube gedreht. Und auch diese Nummer wird mit epischen orchestralen Parts unterlegt, Danielsen teilt sich den Gesang mit Garavello und Daniel Heiman (aktiv bei Lost Horizon – da wurde er in den 90ern Nachfolger eines gewissen Joachim Cans…). Die Nummer startet und endet mit gesprochenen Erzählungen. Um die Minen von Eloroth entbrennt nun eine Schlacht. Zweifellos der härteste (und gleichzeitig allerdings auch kürzeste) Track des ganzen Werkes, inklusive Solo von keinem Geringeren als Arjen Lucassen. Spätestens jetzt emanzipiert sich Danielsen nun von Avantasia. Denn Growls hat’s bei Tobi Sammet noch nie gegeben… Auch hier geben sich die Sänger die Klinke in die Hand: Neben Danielsen, Conti und Mendes ist das erste Mal der Italiener Marco Pastorino zu hören. Die angesprochenen Growls stammen übrigens vom Goblin King. Oder sollte ich sagen: von der Goblin Queen? Denn die Westschweizerin Melissa Bonny ist zuständig für diese bösen Parts…

Sanft und ruhig beginnt der Marsch in den Sturm. Danielsen als Warrior King schart seine Krieger um sich und nun wird kräftig aufs Gaspedal gedrückt. Ein Refrain mit Ohrwurm-Charackter, dazu ein Gitarrensolo von Timo Somers (mittlerweile ex-Delain) – doch, das kann sich problemlos sehen respektive hören lassen!

Ähm, Moment mal. Dieses Riff, dieser Beginn – hatten wir das nicht gerade schon? Die ersten Klänge von „The Bane Of Lord Cremortius“ sind praktisch identisch mit dem vorangegangenen „March Into The Storm“. Neben Raphael Mendes kommt hier nun ein weiterer bekannter Name ins Spiel: Blondschopf Tommy Johansson, seines Zeichens Gitarrist bei Sabaton, darf hier sowohl seine Sangeskünste (passenderweise als Kriegsgott…!) wie auch sein Können auf den sechs Saiten zeigen. Und wieder ein Refrain, der sich festfrisst. Episch, bombastisch und unglaublich melodiös. Grossartig!

Der Warrior King sucht derweil immer noch nach den fehlenden Artefakten. Eines ist der „Sarlinian Bow“. In diesem Track brilliert die Norwegerin Anniken Rasmussen, die zudem auch mit Danielsen und dessen Bruder bei Darkest Sins aktiv ist. Insgesamt ist hier allerdings zu vermelden, dass vor allem der gesprochene Mittelpart das Stück zu sehr in die Länge zieht, auch wenn es natürlich der Story geschuldet ist. Das treibende Finish, gesungen von Rasmussen, ist allerdings schon stark.

„Tomb Of The Fallen King” – und jetzt wird wieder komplett auf schnellen Powermetal gesetzt, die Riffs zu Beginn könnten fast von älteren HammerFall stammen. Eine unverkennbare Stimme darf sich hier austoben: Ralf Scheepers, seines Zeichen Kraftpaket und Fronter von Primal Fear liefert sich hier Gesangsduelle mit Danielsen. Ganz kurz kommt nun auch noch ex-Judas Priest Sirene Tim „Ripper“ Owens an die Reihe. Ein erstes Mal…

Ein Happy End

Die Geschichte, die Legende, neigt sich langsam dem Ende zu. Selbstredend, dass eine solche Story ja auch ein Happy End haben muss. „Stars Will Light The Way“ gibt an zweitletzter Stelle des Albums diesen Takt vor, es driftet nun leider etwas in Richtung „Kitsch“ ab – dies trotz der enorm hohen Geschwindigkeit des Tracks.

Für König und Vaterland! Wie es für solche Werke üblich ist, kommt das ganz dicke Ende natürlich zum Schluss. Marius Danielsen schöpft hier ein letztes Mal aus dem Vollen und bietet im längsten Track nochmals Gäste im Multipack auf. John Yelland, Mikael Holst, Olaf Hayer, Elisa Martin, George Tsalikis, Tim Owens, Peter Danielsen sowie Alessio Garavello dürfen bei diesem gigantischen Finale teilnehmen. Episch ist hier die pure Untertreibung. Man zieht irgendwie erneut Vergleiche zu Avantasia: Wie Tobi mit allen Gastsängern das grandiose „Seven Angels“ präsentiert…

Ganz in dieser Liga ist „For Our King And For Our Land“ dann schon nicht ganz. Und selbst wenn es über alles gesehen vielleicht wirklich etwas überladen wirkt, es ist dennoch ein würdiges Finale – mit einem Refrain, der dann auch wieder schwer in den Ohren kleben bleibt!

Das Fanzit Marius Danielsen – Legend of Valley Doom Part 3

Was für eine faustdicke Überraschung! Da liefert ein (zumindest mir) bis anhin komplett unbekannter Musiker ein Album ab, welches mich wirklich komplett wegbläst… Sicher: Marius Danielsen und all seine mehr oder weniger prominenten Mitstreiter erfinden das (Power-) (Fantasy-) Metal-Rad nicht neu. Auch die Inspirationen sind allgegenwärtig. So what? Wenn es etwas zu bemängeln gibt, dann höchstens, dass die gesprochenen Parts manchmal störend wirken können und alles manchmal irgendwie zu sehr in die Länge ziehen.

Dennoch: „Legend Of Valley Doom Pt. 3“ macht Spass, man hört sich die Scheibe gerne mehrmals an. Aktuell brauche ich fast täglich eine Dosis davon… Wer auf Mucke wie Gloryhammer, Avantasia, Rhapsody, Powerwolf, Twilight Force, Dragony oder Majestica steht, darf hier eigentlich bedenkenlos zugreifen. Fette 9 von 10 Punkten gibt’s von mir und ich hab’s sogar geschafft, die beiden ersten CDs noch zu bestellen – Danke Laura!

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Gästeliste

Zum Abschluss eine (nicht vollständige!) Zusammenstellung einiger Namen, die bei „Legend Of Valley Doom Pt. 3“ mit dabei sind:

Jennifer Batten (ehem. Live-Gitarristin von Michel Jackson)
Mathias Blad (Falconer)
Melissa Bonny (Ad Infinitum, Gastsängerin u.a. bei Warkings)
Alessandro Conti (Twilight Force)
Jimmy Hedlund (Falconer)
Jonas Heidgert (Dragonland)
Bill Hudson (Northtale, ex-U.D.O.)
Tommy Johansson (Sabaton)
Herbie Langhans (Firewind, Avantasia)
Raphael Mendes
Anniken Rasmussen (Darkest Sins)
Tim „Ripper“ Owens (ex-Judas Priest, ex-Iced Earth)
John Rhys-Davies (Schauspieler)
Ralf Scheepers (Primal Fear)
Timo Somers (ex-Delain)
George Tsalikis

Video Marius Danielsen Legend of Valley Doom – Tomb of the Fallen Kings


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 9/10



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11.05.2021
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