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Metalinside.ch - Epica - Z7 Pratteln 2017 - Foto Friedemann
Fr, 29. Januar 2021

Epica – Interview mit Simone Simons

Symphonic Metal
/ 23.02.2021
Metalinside.ch - Epica - Z7 Pratteln 2017 - Foto Friedemann

Omega – ein epicales Ende?

Mit ihrem ersten neuen Album seit fünf langen Jahren machen sich die Niederländer von Epica auf, den Thron des Symphonic-Metals zu erobern. „Omega“, so der Name der achten Langrille, hat episches Format – doch wie ist der Titel zu deuten, steht der 24. und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets doch auch für Ende oder Abschluss?

Wir unterhielten uns mit Simone Simons, deren sirenenhafter Gesang einmal mehr zu verzaubern vermag, über Details zu den gerade in Zeiten von Corona nicht unbedingt einfachen Aufnahmebedingungen, längst vergessene Aktivitäten, ihren Filmgeschmack sowie Missgeschicke bei Zoom-Meetings. Und natürlich brannten wir darauf zu erfahren, was die gute Dame von Elize Ryds Vorschlag hielt, an deren Seite die Rolle von Poison Ivy zu verkörpern.

Vorneweg noch ein grosses Dankeschön an Metalinside-Gefährte Dutti, welcher mich tatkräftig mit Fragen an Frau Simons unterstützt – und auch die Review zum neusten Streich von Epica verfasst hat (siehe Review).

Metalinside (Sandro): Hallo Simone, vielen Dank für deinen Anruf! [kurze gegenseitige Begrüssung] Wir haben 30 Minuten, also legen wir am besten gleich los.
Corona hat im letzten Jahr unser aller Leben sehr stark beeinflusst, speziell die Musikindustrie wurde schwer getroffen. Gab es in dieser düsteren Zeit auch den einen oder anderen Lichtblick für dich? Hast du eventuell ein neues Hobby entdeckt oder wieder einmal ausgiebig Zeit für längst vergessene Aktivitäten gefunden?

Simone: Nun, eine längst vergessene Aktivität war wohl, mich um den Haushalt zu kümmern und alles zu putzen (lacht). Aber ich habe es sehr genossen, zu Hause zu sein. In den vergangenen Jahren graute mir vor einer Tournee stets etwas davor, meinen Sohn zu Hause zurücklassen zu müssen. Dass ich dieses Gefühl nun momentan nicht habe und mehr Zeit mit ihm verbringen kann, empfinde ich als sehr angenehm. Das ist für mich der Silberstreifen am Horizont des ganzen Wahnsinns – diese Momente zu geniessen, für die Familie da sein zu können und mich etwas auszuruhen, so gut es geht, bevor wir dann hoffentlich eines Tages wieder mit Epica auf Tour gehen werden. Ich koche, ich putze, ich gehe die Dinge einkaufen, die wir für den Alltag benötigen. Zudem liebe ich es, Zeit mit Makrofotografie zu verbringen. Ich habe auch einen Blog, so dass es mir nie langweilig wird. Es ist eher so, dass mein Tag oftmals nicht genügend Stunden hat, um alles zu tun, was ich gerne machen würde.

MI: Glaubst du, dass diese Pandemie das Denken der Menschen auf irgendeine Art und Weise verändert hat? Oder werden eher alle – wenn es denn mal ausgestanden ist – wieder zum normalen Alltag übergehen?

Simone: Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Leute ihre Einstellung zu gewissen Dingen überdenken werden – besonders die jüngere Generation, die sich durchaus bewusst ist, welche Auswirkungen die globale Erwärmung haben kann, und dass es sehr wichtig ist, da etwas zu ändern. Dieses Virus kann auch als grosse, dicke Warnung gesehen werden – nur wird es leider immer Menschen geben, die sich und ihr Tun egoistisch ins Zentrum stellen und nur an sich selbst denken. Ich befürchte, nicht einmal diese Pandemie wird sie dazu bewegen können, sich positiv zu verändern. Wir als Band versuchen, mit unseren Texten die Leute zu inspirieren – wir haben eine Stimme, die durchaus gehört wird, und wir geben uns Mühe, hier auch als gutes Beispiel voran zu gehen.

MI: Kommen wir auf das neue Album Omega von Epica zu sprechen, das in exakt vier Wochen (26.2.20201) erscheinen wird. Es ist euer erstes Album seit rund fünf Jahren. Auch wenn ihr 2018 eine Pause eingelegt habt, war es für eure Verhältnisse doch eine recht lange Zeit. Seid ihr träge geworden?

Simone: Definitiv nicht (lacht)! Ich würde sogar behaupten, dass wir alles andere als untätig waren. Mit „The Holographic Principle“ im Gepäck haben wir unsere bisher grösste Welttournee gespielt. In der Vergangenheit war es stets so, dass wir alle zwei bis drei Jahre ein neues Album aufnahmen, es veröffentlichten und im Anschluss daran ausgiebig getourt haben – es war ein ziemlich wahnwitziger Zeitplan, den wir uns da auferlegt hatten. Das war auch einer der Gründe, wieso wir uns nach der letzten Scheibe eine kleine Auszeit gönnen wollten, die wir auch dazu genutzt haben, unsere Biographie [„The Essence Of Epica“] zu schreiben. Zudem haben wir die auf dem gleichnamigen Anime basierende EP „Epica vs Attack On Titan“ (siehe Review) eingespielt, sowie obendrauf zum zehnten Geburtstag unseres Albums „Design Your Universe“ eine spezielle, um eine separate Akustik-CD abgerundete Jubiläumsausgabe herausgegeben. Wir hatten also relativ viel um die Ohren.

Von daher kam die angesprochene Pause gerade zur rechten Zeit, um sich auf die anderen nicht minder wichtigen Business-Belange zu fokussieren, aber auch um Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen – und um uns danach dann mit frisch aufgeladenen Batterien auf das Schreiben eines neuen Albums zu stürzen! Obendrein waren einige von uns vom Tourleben sowie dem zum Teil auch hausgemachten Druck, alle zwei Jahre etwas veröffentlichen zu müssen, komplett erschöpft und ausgelaugt. Mir erging es zu dieser Zeit offen gestanden nicht anders. Und auch die Tatsache, dass wir „The Holographic Principle“ geschrieben haben, währenddem wir auf Tour waren, hat es jetzt nicht unbedingt wirklich besser gemacht. Daher hat uns der Marschhalt allen sehr gutgetan. Im Prinzip haben wir seit den Anfängen von Epica bis zu besagtem Sabbatical ununterbrochen gearbeitet. Viele Bands legen zwischen zwei Alben eine Pause ein oder beenden einen Tourzyklus, bevor sie sich an das Schreiben eines neuen Albums machen – und das haben wir nun nachgeholt.

MI: Omega ist ein – ich zitiere hier gerne die Eindrücke meines Kollegen Dutti – bombastisches, sensationelles, episches, spektakuläres, bahnbrechendes Album geworden. Im Promotext steht, dass euer Sound eine Menge Platz für Evolution biete, und ihr euch zudem stets neu erfinden wollt. Wie zeigt sich aus deiner Sicht bei Omega diese Evolution von Epica am stärksten und inwiefern habt ihr euch auf diesem Album neu erfunden?

Simone: Wow, das sind viele Fragen aufs Mal (lacht). Wir versuchen grundsätzlich bei jeder Platte, die wir machen, die bestmögliche Version von dem zu sein, was zu diesem Zeitpunkt möglich ist. Epica besteht aus sechs ziemlich unterschiedlichen Persönlichkeiten, die alle Musik und Liedtexte beisteuern. Wir haben alle unseren eigenen, individuellen Geschmack, unseren eigenen Stil und unsere eigenen Meinungen, und nach jedem Album, das wir fertiggestellt haben, setzen wir uns zusammen und analysieren die Dinge, die wir inskünftig vielleicht anders machen oder verbessern können – wir wollen uns von Mal zu Mal steigern.

Für dieses Album haben wir bewusst unsere Terminkalender freigehalten, um uns voll darauf konzentrieren zu können und durch nichts abgelenkt zu werden – voller Fokus auf „Omega“ – also keine Shows, keine anderweitigen geschäftlichen Verpflichtungen. Wir sind zusammengekommen – wir leben ja in vier unterschiedlichen Ländern – haben ein Haus gemietet und da intensiv zusammen an den neuen Songs gearbeitet, anstatt dass jeder für sich in seinem Heimstudio werkelt und wir die Ideen wie früher hin und her schicken. Zudem haben wir im Vergleich zur Vergangenheit früher als sonst mit der Ausarbeitung der Gesangslinien begonnen, so dass sie mehr Raum erhielten und sozusagen auf den jeweiligen Song zugeschnitten werden konnten, um so die Vocals noch besser zur Geltung zu bringen. Damals bei „The Holographic Principle“ geschah dies alles zum Ende des Songwritings hin, so dass sich die Melodien im Vergleich zu jetzt schwieriger ausgestalten liessen.

Zudem haben wir mit einem echten Orchester aufgenommen, wir hatten einen grossen epischen Chor im Einsatz, plus zusätzlich noch einen Kinderchor. Darüber hinaus wurden noch viele weitere Instrumente aufgenommen – nebst denen der Band und dem Orchester versteht sich – wie zum Beispiel eine Menge exotischer Flöten sowie auch einige Instrumente aus Indien. So entstand eine riesige Liste von Instrumenten – echten Instrumenten, keine Samples – welche bei „Omega“ Einzug in die Klangwelt fanden. Und zum Schluss hat auch Joost [van den Broek], unser Producer, beim Mixen einen super Job gemacht. Ich denke, das alles hat einen grossen Einfluss auf die Transparenz der Musik, denn obschon musikalisch sehr viel passiert, ist schlussendlich doch alles an seinem Platz und wirklich gut zu hören.

MI: Was man meiner Meinung nach auch sehr gut heraushören kann – es ist ein wirklich tolles Album geworden. Nun symbolisiert „Omega“ – gerade in Bezug auf das griechische Alphabet – ein Ende oder einen Abschluss. Haben wir es hier somit mit dem allerletzten Album von Epica zu tun? Oder handelt es sich lediglich um das Ende eines weiteren Abschnitts in eurer Karriere?

Simone: Nein, das ist es definitiv nicht. Es ist schlicht das Ende unserer „Kingdom Of Heaven“-Trilogie, nicht von Epica, da musst du dir keine Sorgen machen (lacht).

MI: Damit wäre mein Tag gerettet (lacht). Was fasziniert euch bei Epica besonders an der metaphysischen Thematik? Schliesslich sind solche Aspekte ja bereits auf «The Quantum Enigma» und «The Holographic Principle» entsprechend abgehandelt worden.

Simone: Das ist eigentlich eine Frage, die vor allem Mark betrifft, er interessiert sich stark dafür und so war es auch seine Idee, dieses Thema aufzugreifen und darüber zu schreiben. Es tut mir sehr leid, ich kann diese Frage nicht wirklich beantworten.

MI: Was sich aufgrund der Tatsache, dass Mark nicht zugegen ist, etwas als Mission Impossible gestaltet. Aber kein Problem – wir wären ja nicht Metalinside, würden wie euch hier im Regen stehen lassen.

Gemäss Promoblatt ist eine der Kernaussagen des neuen Albums, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt als wir zuzugeben wagen – versinnbildlicht mit dem sogenannten Omegapunkt. Oder in den Worten von Mark Jansen selbst: „Alles geschieht in Kreisläufen. Die Jahreszeiten, Tag und Nacht, unser Leben, die Wiedergeburt, Planetenbewegungen. Die Omegapunkt-Theorie postuliert, dass nach dem Alpha, dem Urknall, alles in Richtung eines Punktes treibt. Und dort, am Omegapunkt, kommt unser kollektives Bewusstsein zusammen.“

MI: Wenden wir uns kurz einem etwas allgemeinerem Thema zu: Wie beurteilst du aus deiner Sicht aktuell das Symphonic Metal-Genre? Gibt’s nennenswerte Entwicklungen oder Tendenzen? Bist du mit gewissen Dingen unzufrieden?

Simone: Das einzige, mit dem ich aktuell wirklich unglücklich bin, ist dieses Virus. Auch wenn etliche Leute noch immer irgendwie ihrer Arbeit nachgehen können, so sind gewisse Dinge für uns einfach unmöglich – die Musikindustrie leidet enorm, und das finde ist einfach nur sehr traurig. Bevor diese ganze Pandemie ausbrach, wurde Symphonic Metal immer populärer, es gab immer mehr Gruppen, die in diesem Genre unterwegs waren. Ansonsten habe ich meine Lieblingsbands, die ich mir gerne anhöre, verwende auf der anderen Seite aber nicht wirklich viel Zeit darauf, nach neuen Formationen Ausschau zu halten. Ich möchte mich davon nicht allzu sehr… inspirieren ist das falsche Wort – nicht allzu sehr beeinflussen lassen, um meine Musik und meinen Gesang so neutral und authentisch wie möglich zu halten. Ich möchte nicht damit anfangen, andere Bands oder Künstler zu imitieren. Das ist dann wohl auch ein Grund, wieso ich über aktuelle Entwicklungen nicht unbedingt auf dem Laufenden bin, und es eben viele Bands gibt, die zwar bei YouTube auftauchen, von denen ich aber noch nie etwas gehört habe. Aber das ist ok so.

MI: Welche Bands hörst du dir gerne an?

Simone: Das neuste Album von Amaranthe mag ich zum Beispiel sehr, wie auch das von Delain. Als die Fitnesscenter noch offen waren, habe ich beide jeweils sehr gerne während meines Trainings gehört, die Musik eignet sich einfach perfekt für sowas (lacht). Aus der Metalszene gefallen mir sonst noch Opeth oder Rammstein. Das sind so meine Lieblingsbands, die ich mir immer und immer wieder anhören könnte.

MI: „Rivers“ erinnert mich zu Beginn wie auch im Refrain ein wenig an „Impossible“ von Shontelle, welches ja auch von Exit Eden gecovert wurde. Kannst du meine Einschätzung nachvollziehen, und wenn ja, was könnte der Grund für die Parallelen sein?

Simone: Ich kannte dieses Lied eigentlich nicht, bis mir jemand sagte, dass er wie du eine gewisse Ähnlichkeit im Chorus zu erkennen glaube. Also habe ich mir den Song genauer angehört. Alles in allem klingen die beiden Titel zumindest für mich komplett unterschiedlich und weisen lediglich ein paar überlappende Melodien auf, was aber reiner Zufall ist. Auch die Sängerin war mir zuvor gänzlich unbekannt. Als ich mich damit etwas beschäftigte, stiess sich zuerst auf einen anderen Interpreten, der ebenfalls dieses Lied [„Impossible“] singt, und von dem ich annahm, dass es von ihm stamme – in Tat und Wahrheit aber lediglich eine Coverversion war. Weder Rob noch ich haben diesen Song gekannt, als wir „Rivers“ geschrieben haben, das Ganze war ein riesiger Zufall.

MI: Die neuen Tracks von Epica strotzen geradezu vor Bombast-Elementen! Wie sehen eure Pläne für künftige Shows aus – sobald sie wieder gestattet sind? Ihr geht anfangs 2022 ja zusammen mit Apocalyptica auf Tour – habt ihr eventuell auch Gastauftritte im Hinterkopf, wie dies bei deren Tour mit Sabaton und Amaranthe der Fall war? Und dürfen wir uns auf fantastische Knalleffekte und jede Menge Feuer freuen?

Simone: Wir arbeiten momentan an der Bühnengestaltung. Ursprünglich sollten wir ja diesen März auf Tour gehen. Auch wenn das Ganze nun leider verschoben werden musste, so treiben wir die Vorbereitungen dennoch nach wie vor mit voller Energie voran. Und ja, es wäre grossartig, wenn wir etwas mit Apocalyptica zusammen machen könnten, da sie wirklich tolle Musiker und auch sehr coole, nette Persönlichkeiten sind. Ich habe mich sehr auf diese Auftritte gefreut, und dass es nun noch so lange dauert, macht es noch schlimmer. Mehr möchte ich eigentlich noch nicht verraten, schliesslich soll es ja auch eine Überraschung werden (lacht).

MI: Ihr hattet mit Epica ja das Glück, dass ihr das Orchester sowie den Kinderchor direkt vor dem Lockdown fertig aufgenommen hattet. Inwiefern hat Corona die Arbeiten am neuen Album aber dennoch beeinflusst?

Simone: Das einzig wirkliche Problem, an dem wir zu knabbern hatten, waren die Aufnahmen der Lead-Vocals von Mark und mir. Mark lebt in Sizilien, ich wohne in Deutschland und unser Studio befindet sich in den Niederlanden – und keiner von uns beiden konnten dahin reisen. Also hat Mark seinen Part bei sich zu Hause in Sizilien eingesungen. Er hat da ein sehr schönes Heimstudio, das er sich in einem begehbaren Kleiderschrank eingerichtet hat – es ist ein riesiges Teil, in welchem die Akustik hervorragend ist, keine Echos, keine Frequenzen, die von den Wänden zurückgeworfen werden… Ich selbst habe meine Vocals in einem Studio aufgenommen, das quasi bei mir um die Ecke liegt, und mir extra noch mein Lieblingsmikrofon gemietet, mit dem ich sonst auch immer arbeite.

Joost, unser Produzent, war via Zoom auf meinem iPad zugeschaltet… Ich konnte ihn sehen, wir konnten miteinander reden, er mich hören… Das Ganze hat trotz dieser sehr speziellen Art und Weise doch erstaunlich gut funktioniert, fast schon, als ob wir das alles so geplant hätten. Wären wir mit allem nur ein klein wenig später dran gewesen, so hätten wir echte Probleme gehabt, denn dann wäre es unter anderem unmöglich geworden, den Chor und das Orchester einzuspielen.

MI: Was war sonst noch speziell?  Gab es vielleicht witzige Zwischenfälle bei Zoom-Talks?

Simone: Nun, Joost und ich sind etwa auf derselben Wellenlänge und haben auch diesen etwas speziellen Humor, der für uns Niederländer irgendwie typisch ist. Normalerweise sprechen wir zu Beginn einfach ein bisschen miteinander, wie es uns geht, was in der Welt da draussen alles los ist, und beginnen dann mit den Aufnahmen. Einmal war ein deutscher Techniker im Studio und konnte nicht immer verstehen, worüber wir uns gerade unterhielten. Und zuweilen hat er dann eben auch nicht mitbekommen, dass wir nun gerne mit den Aufnahmen beginnen würden, da Joost und ich vergassen, auf Deutsch oder Englisch umzuschalten (lacht). Aber im Grossen und Ganzen hat alles wirklich sehr gut funktioniert.

Ungewohnt war für mich, morgens zur Arbeit zu gehen und den Nachmittag zu Hause zu verbringen, da die Schulen geschlossen waren und schliesslich jemand zu unserem Sohn schauen musste. So konnte ich meine Vocals nur am Vormittag einsingen, als mein Ehemann mit ihm zu Hause war, und nach dem Mittag kam ich heim und dann ging er zur Arbeit. Das war unser Alltag während des Aprils, als ich an meinen Vocals gearbeitet habe. Natürlich war das Ganze ein wenig stressig, aber ich bin mit den Aufnahmen super happy.

MI: Kommen wir auf etwas anderes zu sprechen: Marko Hietala hat bei seinem Ausstieg bei Nightwish und seinem Rückzug aus dem öffentlichen Leben ein offenes Statement zur Musikindustrie abgegeben. Habt ihr mit Epica ebenfalls schon negative Erfahrungen gemacht? Und was würdest du jungen Bands diesbezüglich für Tipps mit auf den Weg geben?

Simone: Ich habe zuerst irgendwie gar nicht wahrgenommen respektive gewusst, worüber er schrieb. Aber ja, ich schätze, Kriminelle gibt‘ s überall, und die Musikindustrie ist da sicher keine Ausnahme. Ich respektiere seine Entscheidung, wenn er sich neu ausrichten möchte, letztendlich ist es sein Leben. Ich selbst habe noch keine negativen Erfahrungen dieser Art gemacht, ich meine… Als wir das erste Mal in Tunesien gespielt haben, kam nach der Show die Polizei und hat dem Veranstalter das Geld gestohlen. Oder in Rio De Janeiro, als zwei Tage nach unserem Auftritt da jemand umgebracht wurde. Dinge eben, die sich zutrugen, als wir dort auftraten oder kurz danach.

Allerdings ist Nightwish auch ein etwas anderes Kaliber als Epica. Ich weiss nicht viel, was bei ihnen hinter den Kulissen alles geschehen ist, und ich denke auch, dass es mir nicht zusteht, darüber zu urteilen oder mich gross dazu zu äussern. Denn schlussendlich ist es wie bereits erwähnt seine Entscheidung – auch wenn es sehr schade ist, da Marko doch ein grossartiger Sänger und Musiker sowie eine tolle Persönlichkeit ist.

MI: Du hast beim ersten Album von Exit Eden – „Rhapsodies in Black“ – ja bei zwei Songs mitgewirkt („Frozen“ und „Skyfall“). Von Clémentine Delauney weiss ich, dass eine reelle Chance besteht, dass dieses Jahr ein zweites Album erscheinen könnte (siehe Interview). Bist du auch wieder mit von der Partie?

Simone: Nein, ich werde da nicht dabei sein und habe auch keinen engeren Kontakt zur Band. Ich habe damals lediglich diese zwei Songs gemacht, die ich mir aussuchen konnte und die ich auch wirklich gerne gesungen habe.

MI: Schade, denn ich mag das Projekt und auch deine Stimme bei den beiden Liedern…

Simone: Danke dir (lacht). Mir gefallen sie auch und ich denke, wir haben das gut hinbekommen.

MI: Angenommen, du hättest die Chance, im Remake eines Films mitspielen zu können, welcher wäre das?

Simone: Eine schwierige Frage… Vielleicht in einem Thriller zusammen mit Morgan Freeman – eine Fortsetzung zu „Seven“ wäre noch spannend (lacht).  Sowas in der Art, auch wenn ich definitiv keine Pläne hege, Schauspielerin zu werden. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich mich dazu eignen würde oder das Talent dazu hätte, denn ich bringe es zum Beispiel nicht fertig, über eine längere Zeit hinweg ernst zu bleiben, ich mache immer mal gerne wieder ein Spässchen (lacht). Unsere Videoclips halten da genügend schauspielerische Herausforderungen für mich bereit.

MI: Ich habe diese Frage vor rund vier Monaten auch Elize Ryd von Amaranthe gestellt. Ihre Traumrolle wäre Catwoman – Zitat: What else – und Simone Simons könne den Part von Poison Ivy übernehmen (siehe Interview). Was hältst du von Elizes Casting-Idee?

Simone: (lacht) Ja, das wäre sicher spassig, wenn wir zusammen einen Film machen könnten, aber ich denke, ich bleibe vorerst mal beim Singen (lacht).

MI: Hast du Lieblingsfilme oder gibt es Bücher, die du empfehlen würdest? Liest du viel?

Simone: Lieblingsbücher wären für mich wohl Kochbücher mit vielen leckeren Rezepten darin (lacht). Oder etwas über Fotografie – das ist auch etwas, das mich sehr interessiert. Meine Lieblingsfilme…  Ich liebe einfach das Thriller-Horror-Genre, Serien wie „Stranger Things“, „Bates Hotel“, „American Horror Story“, dann „Herr der Ringe“ – es gibt so viele tolle Filme und Serien. Ich mag Tim Burton, Guillermo del Toro, daher auch „Crimson Peak“, „Pans Labyrinth“… Ja, ich liebe Filme (lacht).

MI: Das spürt man. Und irgendwie passt so auch die nächste Frage: Mal angenommen, du könntest 20 Jahre in der Zeit zurück reisen – welchen Ratschlag würdest du deinem jüngeren Ich geben?

Simone: Vielleicht etwas mehr für mich selbst einzustehen und meine Meinung zu sagen. Und mir nicht ständig allzu viele Sorgen zu machen, aber das ist wohl etwas, das sich auch mit dem Alter legt – man wird selbstbewusster, fühlt sich in seiner Haut wohler, da man auch als Person reifer wird. Und: Das Leben respektive jeden Tag aufs Neue geniessen – carpe diem (lacht).

MI: Ihr habt mit Epica bekanntermassen schon etliche Male in der Schweiz gespielt. Gibt es neben dem Z7 noch andere Schweizer Locations, die euch in Erinnerung geblieben sind?

Simone: Ich denke, das Z7 ist halt wirklich das Bekannteste, wir haben dort gefühlt schon an die zwanzig Mal gespielt. Ich liebe das Schweizer Publikum, ich liebe das Schweizer Essen (lacht), die Natur dort ist wunderschön… Vor einigen Jahren haben wir zudem auch mal an einem wirklich tollen Festival gespielt, allerdings kann ich mich nicht mehr an den Namen erinnern – ich bin in sowas echt schlecht. Es muss mindestens vier oder fünf Jahre her sein. Es war ein Sommerfestival und eine Freundin aus der Schweiz hat uns da besucht. Das Catering war toll, die Shows sowieso – es war ein wirklich genialer Tag.

MI: Irgendwie scheinen Künstler alle etwas Naschkatzen zu sein, schon Christofer Johnsonn von Therion hat unlängst ausgiebig vom tollen Essen in der Schweiz geschwärmt (siehe Interview). Unsere dreissig Minuten sind leider beinahe um, doch möchte ich von dir zum Abschluss noch gerne wissen, ob du eine spezielle Nachricht an eure Fans hier in der Schweiz hast.

Simone: Ich hoffe, dass euch unser neues Album gefallen, und auch ein bisschen Hoffnung und Licht in diesen doch eher dunklen Zeiten, die wir gerade alle durchleben, schenken wird. Und dass wir möglichst schon bald wieder an Konzerten und Festivals vereint sein können – denn gerade das dürfte wohl das sein, was wir uns alle so sehr wünschen.

MI: Ganz herzlichen Dank für dieses Gespräch, Simone. Nog een fijne avond und bis hoffentlich bald einmal.

PS: Das besagte Festival an dem Epica dabei war könnte Greenfield 2017 gewesen sein – womit bereits den Einstieg für ein nächstes gefunden wäre…

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