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Aurium – The Second Sun (CD Cover Artwork)
Fr, 19. Juni 2020

Aurium – The Second Sun

Symphonic Metal, Symphonic Rock
07.06.2020
Aurium – The Second Sun (CD Cover Artwork)

Serbische Symphonic-Perle

Als leidenschaftlicher Sympathisant des Symphonic Metal kann ich bei Anfragen für Plattenkritiken aus diesem Sektor nur äusserst selten nein sagen. Aufgrund dessen liegen mir nun die Promo-Unterlagen zu «The Second Sun» vor. Es handelt sich hierbei um das dritte Studioalbum der serbischen Gruppe Aurium.

Der Bandname ist durch die lateinische Bezeichnung des Ohrensausens inspiriert: «Tinnitus aurium». Bleibt zu hoffen, dass ich mich nach den bevorstehenden Durchläufen der CD nicht mit einem nervigen Dauer-Pfeifen in meinen Gehörgängen herumschlagen muss. Die Veröffentlichung via Art Gates Records ist auf den 19. Juni 2020 angesetzt.

Das Album – «The Second Sun»

Knackige Riffs (Nightwish lassen grüssen) ziehen sich durch die erste Nummer «Asylum». Danach übernimmt Dragica Maletić das Zepter, die wohl tendenziell am häufigsten im Fokus stehen wird. Stimmlich liefert sie hervorragend ab und wagt sich auch schon an die oberen Bereiche der Tonleiter heran. Da scheint eindeutig eine Ausbildung im klassischen Gesang und speziell im Sopran vorhanden zu sein. Hühnerhaut-Momente sind zurecht garantiert. Gelegentlich vernimmt man im Hintergrund zudem Keyboard-Klänge von Siniša Mladenović.

Der Einsatz von Chören ist in diesem Genre selbstverständlich alles andere als unüblich und verleiht der ganzen Geschichte die erstrebenswerte Epik. Als passendes Beispiel würde sicherlich «Leaden Skies» dienen. Erneut kann ich vor der Frontdame bloss meine imaginäre Kopfbedeckung ziehen. Da wandelt jemand effektiv auf den Spuren von Tarja Turunen. Obwohl die Finnin freilich die unangefochtene Königin in dieser Disziplin bleibt, muss ihre Kollegin aus Belgrad keinesfalls unterwürfig auf die Knie fallen. Zu diesen ersten beiden Stücken können übrigens bereits Videoclips auf YouTube konsumiert werden.

Als nächstes fällt der Vorhang («Curtain’s Fall»). Aber keine Angst, uns erwarten definitiv mehr als drei Lieder. Jetzt platzieren Aurium geschickte Tempo-Variationen. Des Weiteren erlebt der Zuhörer abermals eine Machtdemonstrationen von der Mikrofon-Sirene (inklusive überragender Eskalation im letzten Drittel!).

Eigentlich wollte ich schon beanstanden, dass für das berühmt-berüchtigte Tüpfelchen auf dem «i» lediglich noch ab und an männliche Growls fehlen würden – und zack; schon sind sie bei «Dead Landscapes» da. Ich liebe dieses Gegenspiel dieser beiden Gesangsarten einfach. Das repräsentiert immer irgendwie den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. Allerdings dürften die Serben ruhig etwas stärker auf diese Mischung setzen. Dragica bleibt nämlich die dominante Kraft und darf ihr Können von A bis Z unter Beweis stellen. Kurz vor Schluss gewährt die Kapelle Ihrem Basser Miloš Jovanović einen Augenblick im Vordergrund.

Beim «Garbage Eater» muss es ja gezwungenermassen dreckig zu und her gehen. Die Riffs wurden zumindest schon einmal optimal angepasst. Eine rasante Komposition, die verdientermassen während einer Live-Performance die Headbanger auf den Plan rufen wird. Ein weiteres Mal kommen Growls zum Handkuss. Phasenweise klingt das sehr nach einer Protagonistin. Also wenn Madame Maletić diese Technik ebenfalls in ihrem Repertoire hat, würden mein Respekt und meine Bewunderung gleich nochmals gesteigert werden. Ich tendiere jedoch eher auf eine Gast-Akteurin (Aufklärende Hinweise sind leider nirgends zu finden…).

Dafür will «Timekeeper» bei mir überhaupt nicht zünden. Da fehlt schlichtweg die Überzeugungskraft. Ausserdem zieht hier die bisher hochgelobte Stimme des Frontmädels ihre schwächeren Momente ein. Gewisse Töne machen einen schiefen Eindruck.

Wann sind solche Ausrutscher erlaubt? Tja, wenn man als Gegenargument eine fast neun Minuten dauernde Monster-Hymne aus dem Ärmel schütteln kann. «Phasianidae» bringt grosses Kino in eure Gehörgänge. Eintauchen und geniessen ist nun angesagt. Das Quintett unternimmt zusammen mit uns eine Reise durch ein facettenreiches Abenteuer. Werden an dieser Stelle wirklich Fasane besungen?

«Nodus Tollens» – oder anders formuliert: Die Erkenntnis, dass deine Lebensgeschichte für dich keinen Sinn mehr ergibt. Schwere Kost, die mit einer opernhaften Stimme und orchestralen Abschnitten völlig gemächlich vertont wird. Erst im zweiten Teil erfährt die Dramaturgie-Kurve, angetrieben durch peitschende Drums und emsiges Tastengeklimper,  einen rapiden Anstieg. Das weckt Erinnerungen an ältere Nightwish-Silberlinge.

Auch «Reminiscence» wird wunderschön vorgetragen. Julius Velker kann mit einem überzeugenden Klampfen-Solo glänzen. Flöten-Melodien tauchen ebenfalls auf. Dieser Track vermittelt verdammt viel Gefühl.

Mittlerweile sind wir fast am Ende des Albums angelangt. Das stille Erwachen («The Silent Wake») steht an. Doch keine Angst, komplett geräuschlos wird das bestimmt nicht über die Bühne gehen. Dragica zeigt für einmal leicht andere Aspekte ihres Stimmorgans und sammelt aufgrund dieser Abwechslung klar weitere Punkte. Es bleibt seitens der Instrumental-Fraktion sogar Platz für einen kurzen Progressive-Einschub.

Theoretisch wäre jetzt finito, aber die Musiker schicken uns in Form von «Son Of The Morning Star» eine absolut hörenswerte Bonus-Hymne hinterher. Eine epische «Finalissima», die sich gewaschen hat.

Das Fanzit Aurium – The Second Sun

Welch angenehm positive Überraschung. Aurium setzen mit ihrem dritten Werk «The Second Sun» eine bockstarke Duftmarke! Symphonic Metal der ersten Güteklasse. Tinnitus? Fehlanzeige! Freunde von Nightwish, Epica oder Xandria sollten hier unbedingt reinhören. Insbesondere Dragica Maletić ist eine richtige Wunderwaffe, die locker etliche Hühnerhaut-Momente auslösen kann. Ausserdem vermag der Orchester-Einsatz zu beeindrucken. Es ist zwar offensichtlich, woher die Serben ihre Inspiration haben, aber gerade weil der Liga-Krösus wegen «Human. :II: Nature.» momentan ins Wanken geraten ist (siehe Review), könnten unbekanntere Bands dieses Genres Gelegenheit erhalten, um aus den grossen Schatten zu treten und die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Der Fünfer aus Belgrad hat dies definitiv geschafft. Strenggenommen schwächelt die Scheibe lediglich an einer Stelle. Ansonsten lasse ich mit dem grössten Vergnügen die untenstehenden Hörproben für sich sprechen.

Empfehlenswerte Hörproben: «Leaden Skies», «Curtain’s Fall», «Garbage Eater», «Phasianidae», «Nodus Tollens»

Ab Release reinhören und portofrei bestellen

Tracklist Aurium – «The Second Sun»

  1. Asylum
  2. Leaden Skies
  3. Curtain’s Fall
  4. Dead Landscapes
  5. Garbage Eater
  6. Timekeeper
  7. Phasianidae
  8. Nodus Tollens
  9. Reminiscence
  10. The Silent Wake
  11. Son Of The Morning Star (Bonus-Track)

Line Up – Aurium

  • Dragica Maletić – Gesang
  • Siniša Mladenović – Synthesizer & Orchester
  • Julius Velker – Gitarre
  • Miloš Jovanović – Bass
  • Alexandar Mušicki – Drums

 

Video Aurium – Leaden Skies


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 9/10



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07.06.2020