Exciter - Gaswerk Winterthur 2019
Do, 5. Dezember 2019

Exciter, Asomvel

Gaswerk (Winterthur, CH)
23.01.2020
Exciter - Gaswerk Winterthur 2019

Paradebeispiel einer geilen Club-Show

Am Donnerstagabend statteten die Speed Metal-Pioniere Exciter (Baujahr 1980) dem Winterthurer Gaswerk einen Besuch ab. Mit im Gepäck hatten sie Asomvel aus Grossbritannien, die während ihres Auftritts Lemmy Kilmister und Motörhead wiederauferstehen liessen. Was es damit auch sich hatte? Tja, einfach weiterlesen und selbst herausfinden. 

Das heutige Programm beinhaltet gleich die doppelte Dosis Weiterbildung für Dutti. Da mir beide Gruppen völlig unbekannt sind, kann ich mich tiefenentspannt ins Geschehen stürzen und den Sound auf mich einwirken lassen. Da das Gaswerk eigentlich nur selten enttäuscht, darf man den anstehenden Darbietungen zurecht mit viel Freude entgegenfiebern. Die ganze Sache findet offenbar im kleinen Foyer statt. Das Barpersonal rechnet allerdings mit einem ziemlichen Publikumsandrang. Somit dürfte es eine enge und schweisstreibende Angelegenheit werden. Üben Exciter denn eine solche Anziehungskraft aus? Wie gesagt, aufgrund meiner Wissenslücken in Zusammenhang mit dieser Band kann ich das leider kaum abschätzen.

Mit einer kühlen Blondine bewaffnet platziere ich mich auf der linken Raumseite. Oha, die kleine Bühne ist freilich total ausgelastet, denn da stehen zwei Schiessbuden herum. Bewegungsfreiheit wird für die Musiker wohl ein Fremdwort werden. Allerdings hat man an diesem Ort auch schon Künstler erlebt, die mit der Zeit einfach mitten in der Menge weitergespielt haben. Der Nebelmaschinentest verläuft ohne Probleme. Zum Glück übertreiben es die Verantwortlichen nicht, denn sonst wäre die Sicht hier mit grösster Wahrscheinlichkeit gleich null.

Asomvel

Kapelle numero uno legt um 20.40 Uhr los. Trotz der eher kühlen Temperaturen im Foyer agiert Drummer Jani Pasanen ohne Shirt. Aber hey, ein Finne wird mit solchen Witterungen sicherlich keine Schwierigkeiten haben. Zudem drischt er äusserst aktiv auf seine Felle ein. Da ist überhaupt nicht ans Schlottern zu denken. Bei Basser und Sänger Ralph Robinson muss ich mir mehrmals irritiert die Äuglein reiben. Holla die Waldfee, sowohl optisch als auch auf der gesanglichen Ebene ist der Typ ein Abbild des jungen Lemmy Kilmister. Eigentlich müsste bloss noch das Mikrofon etwas höher platziert und dann wäre der Anblick wahrlich perfekt. Lenny Robinson an der Klampfe vervollständigt das Dreiergespann. Er ist zugleich Ralphs Papa.

Auf ihrer «Fratzenbuch»-Seite ordnen sie sich im Gerne des Schwermetalls ein. Für mich steckt in den jeweiligen Nummern jedoch viel mehr Hard Rock drin. «Klang-Paten» sind zweifelsohne Motörhead. Wer Sehnsucht nach den britischen Legenden hat oder sie allenfalls nie live erleben durfte, kommt bei Asomvel hundertprozentig auf seine Kosten. Ralphs Kehle sei zwar angeschlagen, aber vielleicht verleiht paradoxerweise genau dieser Umstand seiner Stimme die richtige Würze. Er wollte den Gig sowieso nicht absagen. Das sei nicht «Rock ‘N’ Roll-like». Ungeachtet der spärlichen Platzverhältnisse turnt der Frontmann fleissig auf der «Spielwiese» herum.

Die zahlreich erschienenen Besucher spenden der Performance viel Applaus. Die drei musizierenden Herren müssten sich irgendwann höchstens fragen, ob sie als etwas Eigenständiges oder doch lediglich als «Snaggletooth»-Klon in die Annalen eingehen möchten. Das ist hingegen wiederum eine andere Geschichte. Heute hat’s definitiv gepasst und deswegen kaufe ich mir anschliessend mit gutem Gewissen ein Exemplar des aktuellen Silberlings «World Shaker».

Exciter

Der Headliner agiert ebenfalls als Trio. Die Protagonisten wären Dan Beehler (Drums/Gesang), Allan Johnson (Bass) und Jungspund Daniel Dekay (Gitarre). Jep, richtig gelesen Altmeister Dan kümmert sich sowohl um das Getrommle als auch die Mikrofonarbeit. Wahrlich kein leichtes Unterfangen. Ich bin gespannt, ob er dies in brauchbarer Manier durchziehen kann.

Da jetzt nur noch ein Drum Set auf der Bühne steht, haben die Kanadier etwas mehr Platz um sich auszutoben. Davon profitiert hauptsächlich Daniel. Der bringt wahrhaftig frischen Wind in die Bude und ist nicht aufzuhalten. Es sei eine riesige Ehre für ihn, gemeinsam mit seinen Idolen Musik machen zu dürfen. Mit Allan scheint er sich bestens zu verstehen. Zumindest liefern sich die beiden immer wieder unterhaltsame Grimassen-Duelle.

Der Dreier hat jede Menge geniale Nummern in seinem Repertoire. Die Tracks «Heavy Metal Maniac», «Black Witch», «Pounding Metal» und «Long Live The Loud» bleiben mir besonders gut in den Gehörgängen kleben. Das ist in Tat und Wahrheit Metal der alten Schule. Die genannten Lieder befinden sich auf Alben aus den Jahren 1983 bis 1985. Möglicherweise würden ein paar dieser Platten meine persönliche Sammlung nochmals zusätzlich aufwerten. Im Hinblick auf das nahende Weihnachtsfest könnte man sich damit sicherlich würdevoll selbst beschenken.

Beim Finale bewegen sich die anwesenden Exciter-Jünger schliesslich im absoluten Eskalationsmodus. Die Speed Metaller haben sich dazu entschlossen, den Abend mit «Iron Fist» von Motörhead ausklingen zu lassen. Endlich covert eine Gruppe einmal ein anderes Stück als «Ace Of Spades». Boah, die Stimmung kocht wirklich nochmals über. Ein perfekter Abschluss würde ich meinen. Dan ist anschliessend jedenfalls komplett aus der Puste und Daniel möchte seine Plektren gerne gegen Gras eintauschen (selbstverständlich zu Entspannungszwecken).

Das Fanzit – Exciter, Asomvel

Das war ein rundum gelungener und optimal abgelaufener Gaswerk-Abend, der die erhoffte Gitarren-Musik-Dosis mit sich brachte. Genau so müssen intensive Club-Shows sein. Ich kann beide Truppen sorglos weiterempfehlen. Asomvel werden übrigens bereits im April 2020 in die Schweiz zurückkehren. Gemeinsam mit Ross The Boss und den Burning Witches steht dann ein Besuch der Konzertfabrik Z7 auf dem Plan.

Setliste – Exciter

  1. Violence & Force
  2. Stand Up And Fight
  3. Victims Of Sacrifice
  4. Die In The Night
  5. Iron Dogs
  6. Rising Of The Dead
  7. Heavy Metal Maniac
  8. Living Evil
  9. Breakdown The Walls
  10. Black Witch
  11. Feel The Knife
  12. Pounding Metal
  13. Guitar Solo
  14. Beyond The Gates Of Doom
  15. Long Live The Loud
  16. World War III
  17. Iron Fist (Motörhead-Cover)*

*Zugabe


Wie fandet ihr das Konzert?

23.01.2020
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