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Metalinside.ch - Trivium - Z7 Pratteln 2017 - Foto Röschu
Fr, 10. März 2017

TRIVIUM, SIKTH, SHVPES

Z7 (Pratteln, CH)
/ 17.03.2017

Die US-amerikanische Metal-Truppe Trivium sorgte an diesem Freitagabend in einem mittelmässig gefüllten Z7 für einen lauten und gelungenen Start ins Wochenende. Dagegen konnten die beiden Vorgruppen nur teilweise überzeugen. Alles Weitere entnehmt ihr wie gewohnt den nun nachfolgenden Zeilen.

Zufrieden verlasse ich an diesem Freitagabend das Büro. Freiheit! Zeit fürs Wochenende. Das frühlingshafte Wetter trägt ebenfalls zur guten Stimmung bei. Mit der Sonne im Rücken trete ich meine Reise nach Pratteln an. Trivium haben sich für einen Auftritt im altehrwürdigen Metal-Tempel Z7 angekündigt. Da ich die Band bisher nur an Festivals (Nova Rock und Wacken) erleben durfte, möchte ich mir nun auch einmal eine Headliner-Show in der Halle gönnen.

Am Ort des Geschehens angekommen, erblicke ich bereits eine Warteschlange vor dem Eingangsbereich. Offenbar möchten sich die mehrheitlich jüngeren Besucher allesamt einen Platz in der ersten Reihe sichern. Ich lasse mich davon allerdings nicht wirklich stressen und schlendere zusammen mit meinem Fotografen-Kollegen Christian Bührer (diebuehrers.com) gemütlich ins Innere der Konzertfabrik. Rasch eine erste Erfrischung an der Bar abgeholt und dann beziehe ich auch schon Stellung an meinem «Dutti-Pfosten». Aus den Boxen dröhnen Melodien von Slayer und Anthrax. Letztgenannte werden ja in ein paar Tagen im Komplex 457 in Zürich zu Gast sein. Selbstverständlich werden wir euch auch zu diesem Event einen Bericht liefern. Aber bleiben wir doch bei den anstehenden Darbietungen des heutigen Konzertabends. Da ich beide Vorgruppen nicht kenne, bin ich äusserst gespannt, was mich so erwarten wird.

SHVPES

Die aus Birmingham, England stammenden Shvpes machen den Anfang. Der Bandname wird übrigens Shapes ausgesprochen. Aufgrund des Schriftbilds habe ich mir kurzzeitig 1-2 «Schweppes-Wortwitze» erlaubt. Mit dem Getränk haben die fünf Jungs allerdings nicht sonderlich viel gemeinsam. Sie stehen viel eher für einen Mix aus Nu Metal und Metalcore.

Zu Anfang können sie das anwesende Publikum kaum aus den Socken hauen. Insbesondere Sänger Griffin Dickinson – ja, er ist tatsächlich mit Bruce von Iron Maiden verwandt – übertreibt es gar etwas mit seinen Rap-Passagen in gewissen Song-Teilen. Junge, du bist nicht Eminem! Von einem Sprössling des Bruce Dickinson erwarte ich da schon etwas mehr Metal. Abgesehen von diesen Rap-Passagen ist der Sound aber zugebenermassen ziemlich solide. Insbesondere in Sachen Energie sind die Jungs absolut top. Da wird munter auf der Bühne herumgesprintet und herumgesprungen. In Kombination mit dem etwas mühsamen Scheinwerferlicht ist dies jedoch vor allem für die Fotografen der Horror. Trotzdem bin davon überzeugt, dass mein Metalinsider-Kollege Röschu ein paar brauchbare Bilder auf die Reihe bekommt.

Gegen Ende der Show kann Griffin die noch bescheidene und eher passive Menschenansammlung vor der Bühne trotzdem zu einem «Mini-Circle-Pit» animieren. «C’mon people, it’s friday fucking night!». Vollends brillieren können die Jungs mit diesem Auftritt effektiv nicht. Vom Stil passen sie aber hervorragend in das heutige Programm. Bleibt zu hoffen, dass SikTh und dann speziell Trivium nochmals eine ordentliche Schippe drauflegen können.

SIKTH

Die ebenfalls aus England stammenden SikTh sind für die zweite Darbietung des heutigen Abends verantwortlich. Die Truppe spielt eine Mischung aus Progressive Metal und Mathcore. Vom zweiten Genre habe ich persönlich noch nie was gehört. Mit Mathematik hat es wohl herzlich wenig gemeinsam. Gemäss den gängigen Weiterbildungsquellen handelt es sich dabei um eine Mischung aus Extreme Metal, Post-Hardcore und Jazz-Einflüssen. Als Vergleich kommen mir dabei spontan die Schweden von Meshuggah in den Sinn.

SikTh agieren mit zwei Sängern. Auf der einen Seite haben wir Mikee W. Goodman, der vom Aussehen her durchaus als Rob Zombie Junior durchgehen könnte, und auf der anderen Seite der Baseballcap tragende Joe Roser. Beide Herren überzeugen dank ihren facettenreichen Stimmen. Growls, Screams und Clear Voice-Elemente kommen gleichermassen zum Zug. Zudem turnen die beiden fleissig auf den kleinen Podestchen auf der Bühnenmitte herum. Mikee stellt dabei regelmässig seine Sprungkraft unter Beweis. Im Vergleich mit ihren aktiven Sängern wirken die übrigen Bandmitglieder doch etwas stoisch. Positionstreue scheint ihnen offensichtlich am Herzen zu liegen.

Auch live ist die Definition der Musik von SikTh eine Herausforderung. Das scheint das Publikum aber nicht sonderlich zu stören. Anders als zuvor bei Shvpes wirkt die Halle jetzt deutlich belebter. SikTh kann ich somit mit gutem Gewissen weiterempfehlen.

TRIVIUM

Kurz vor Beginn der Trivium-Show – endlich mal ein Bandname, der beim Schreiben keine grosse Herausforderung darstellt – lasse ich mich von einer Kollegin zu einem Ausflug an die Bühnen-Front überreden. Da sich die Masse primär in der Mitte sammelt, kommt man auf den Seiten ohne Probleme bis zum Gitter vor der Bühne. Gute Sicht und Aussichten auf hübsche Schnappschüsse sind somit garantiert. Allerdings wird die Qualität meiner Videoaufnahmen wahrscheinlich leiden, da ich mich so nahe an den Boxen befinde. Aber irgendwie habe ich Lust, dieses Risiko heute Abend in Kauf zu nehmen. Na dann, man serviere uns bitte das Headliner-Häppchen.

Punkt halb zehn ertönt «Run To The Hills» von Iron Maiden aus den Boxen. Das Publikum singt fleissig mit. Wenig später erscheinen dann Matt Heafy, Corey Beaulieu und Paolo Gregoletto auf der Bühne. Zudem nimmt Neo-Drummer Alex Bent den Platz hinter seiner Schiessbude ein. Markant sind die zwei riesigen, mit leuchtenden Augen ausgestatteten Totenschädel im Hintergrund. Mit dem Track «Rain» von der 2005er-Scheibe «Ascendancy» starten die Amis schliesslich in ihr heutiges Set. Ich schätze es jedes Mal auf Neue, wenn Bands während ihrer Konzerte auch ihre alten Werke fleissig berücksichtigen und nicht gerade von Anfang an mit dem neuen Zeugs um sich schmeissen. Tendenziell sind in vielen Fällen die alten Sachen einfach etwas besser. Die beiden folgenden Nummern «Forsake Not The Dream» und das durchaus bekannte «Down From The Sky» stammen ebenfalls von älteren Trivium-Platten. Das aktuellste Album der Truppe – das 2015 erschienene «Silence In The Snow» ist heute Abend lediglich mit drei Songs vertreten. Neben dem Titel-Track schaffen es noch «Rise Above The Tides» und «Until The World Goes Cold» in die heutige Setliste. Tosenden Applaus ernten aber – wie bereits angedeutet – die alten Trivium-Hymnen. «Dying In Your Arms», «Strife», «Pull Harder On The Strings Of Your Martyr» sind nun einmal auch live eine echte Wucht.

Frontmann Matt steht die Spielfreude ins Gesicht geschrieben. Das Grinsen will ihm während der gesamten Spielzeit einfach nicht aus seinem Gesicht entweichen. Unterbrochen wird die ganze Geschichte lediglich durch das gelegentliche Herausstrecken seiner riesigen Zunge. Zudem ist er nicht nur stimmlich in Hochform. Da scheint wohl der eine oder andere Gym-Besuch stattgefunden zu haben. Das scheint vor allem die kreischenden Mädels in der ersten Reihe zu begeistern. Die Haare trägt er wieder etwas kürzer. Neben gebrochenem Ami-Deutsch gibt’s seine Ansagen heute zwischendurch ebenfalls auf Französisch («Bougez-vous!»). Wie gewohnt erhält er von Corey und Paolo Unterstützung an der Mikrofon-Front. Insbesondere die Growls und Screams von Corey sorgen für ordentlich Furore. Glatzkopf-Basser Paolo geht da schon etwas ruhiger zu Werke. Dafür weiss sein markantes Totenkopf-Tattoo am linken Oberarm aufzufallen.

Kurz vor elf verschwinden die Jungs dann hinter der Bühne. Aber es ist noch nicht Schluss. Ein einigermassen solid gefülltes Z7 holt die vier Musiker mit Dauergeklatsche und Gejohle wieder zurück auf die Bühne. Einer geht noch. Und so beenden Trivium ihren gelungenen Auftritt mit dem Nackenbecher und 7-Minüter «In Waves» vom gleichnamigen Album aus dem Jahre 2011. Der mit Thrash Metal angehauchte Metalcore kommt abermals richtig zur Geltung. Ein grandioser Schlusspunkt.

FAZIT

Trivium überzeugen definitiv auch während eines Hallenkonzerts – das habe ich heute Abend gelernt. So werde mir die Amis definitiv wieder ansehen, falls es sie wieder einmal in die Konzerthallen unseres Landes verschlagen sollte. An das Niveau des Headliners kamen die Vorgruppen «Schweppes» und «The Rob Zombie Jr. Band» leider nicht ganz heran. Bei letztgenannten waren allerdings gute Ansätze vorhanden und deshalb würde ich Ihnen sicherlich nochmals eine Chance geben.

Setliste Shvpes

  1. False Teeth
  2. State Of Mine
  3. Skin & Bones
  4. Two Minutes of Hate
  5. Pain. Joy. Ecstasy. Despair
  6. God Warrior
  7. Shapes

 Setliste SikTh

  1. Philistine Philosophies
  2. Part Of The Friction
  3. Flogging the Horses
  4. Hold My Finger
  5. Pussyfoot
  6. Skies Of Millennium Night
  7. Sanguine Seas Of Bigotry
  8. Bland Street Bloom

 Setliste – Trivium

  1. Run To The Hills (Iron Maiden – Intro)
  2. Rain
  3. Forsake Not The Dream
  4. Down From The Sky
  5. Rise Above The Tides
  6. Entrance Of The Conflagration
  7. The Deceived
  8. Dying In Your Arms
  9. Strife
  10. Dusk Dismantled
  11. Throes Of Perdition
  12. Silence In The Snow
  13. Pillars Of Serpents
  14. A Gunshot To The Head Of Trepidation
  15. Until The World Goes Cold
  16. Pull Harder On The Strings Of Your Martyr
  17. In Waves*
  18. Sabbath Bloody Sabbath (Black Sabbath – Outro)

*Zugabe

Fotos von Röschu


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 17.03.2017
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